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Bildwelten – Weltbilder (3.9. – 1.11.17)

LWL-Wanderausstellung zeigt romanische Wandmalereien Westfalens in neuem Licht.

Werl (lwl). In vielen Kirchen Westfalens sind Wandmalereien der späten Romanik von 1160-1270 erhalten. Sie zeigen figürliche Szenen, die zusammen mit der Architektur und der ergänzenden Dekorationsmalereien (Raumfassung) die Kirchenräume prägen. Dennoch ist die romanische Wandmalerei als herausragendes westfälisches Kulturgut bisher nicht systematisch wissenschaftlich erforscht worden. Um dies zu ändern, hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) 2012 das Forschungsprojekt „Bildwelten – Weltbilder“ begonnen, bei dem figürliche Wandmalereien in dreizehn Kirchen vom Gerüst aus erfasst, kartiert und untersucht worden sind. Die Ergebnisse zeigt der LWL jetzt in der Wanderausstellung „Bildwelten – Weltbilder“, die vom 3. September bis zum 29. Oktober im Museum Forum der Völker in Werl zu sehen ist.

„Die romanischen Wandmalereien in den Kirchen liefern uns viele Informationen zum christlichen Glauben im Mittelalter und sind für uns daher wichtige Zeugnisse“, erläuterte LWL-Chefdenkmalpfleger Dr. Holger Mertens. „Neben dem Zeugniswert der Malereien haben die repräsentativen Darstellungen für den heutigen Betrachter natürlich auch einen besonderen ästhetischen Reiz als Kunstwerke.“

Die Ausstellung präsentiert die Ergebnisse des Forschungsprojektes in visuell ansprechender Form. Über 40 Stellwände und Vitrinen präsentieren Texte, Pläne, Fotos und Exponate zur romanischen Wandmalerei in Westfalen-Lippe. „Mit vielen hochausflösenden Fotos ermöglicht die Ausstellung spannende Detailansichten der Malereien, die vor Ort aufgrund der Monumentalität und der räumlichen Gegebenheiten dem Betrachter oft weit entrückt sind“, erklärt Projektbearbeiterin Dr. Anna Skriver. So möchten die LWL-Denkmalpfleger die Kunstgattung und ihre Geschichte in der Öffentlichkeit bekannt machen und dem heutigen Betrachter die Kraft der historischen religiösen Bildwelten verständlich vermitteln. Projektleiter Dr. Dirk Strohmann ergänzt: „Das Forschungsprojekt hat außerdem die Grundlage dafür geschaffen, die Wandmalereien auch für zukünftige Generationen zu erhalten. So wurden einige dringend notwendige Konservierungsmaßnahmen angestoßen und begleitet. Weiterhin wurden bei allen Wandmalereien Referenzflächen für ein Monitoring bestimmt, fotografiert und von Restauratoren untersucht.

Erforschte Wandmalereien
Was haben die Menschen geglaubt und wie führten sie ihr Leben? Wie haben die Wandmaler gearbeitet und auf welche Vorlagen haben sie zurückgegriffen? Welche Geschichte haben die Wandmalereien in den folgenden fast 800 Jahren erlebt? All diese Fragen waren Anlass zu dem mehrjährigen Forschungsprojekt, das 13 westfälische Kirchen umfasste. Diese Kirchen befinden sich in den Orten Bad Sassendorf-Lohne , Bad Sassendorf-Weslarn, Balve, Bochum-Stiepel, Dortmund-Brechten, Dortmund-Wellinghofen, Lippstadt, Lügde, Paderborn-Neuenbeken, Schmallenberg-Berghausen, Schmallenberg-Wormbach, Soest, und Soest-Ostönnen. Bei den Kirchen handelt es sich bis auf die Nikolaikapelle in Soest um Pfarrkirchen. Ein Buch, ein Film und ein Internetauftritt (www.lwl.org/wandmalerei/) stellen neben der Wanderausstellung die Ergebnisse des Projektes vor.

Hintergrund Romanische Wandmalerei
Wandmalereien gehören zum ältesten Kulturgut, wie bereits rund 33.000 Jahre alte Höhlenmalereien beweisen. Im europäischen Mittelalter erlebte diese Technik seit karolingischer Zeit einen neuen Aufschwung. Die Malereien wurden direkt mit den Wänden verbunden und somit zu einem Teil der Architektur. Die Farben bestimmen neben den architektonischen Formen wesentlich das innere Erscheinungsbild einer Kirche. Dabei werden einzelne Elemente wie Pfeiler, Kapitelle und Bögen durch Farbe besonders betont, verziert und hervorgehoben. Die Figuren wurden entweder in einer lasierenden oder deckenden Malweise gestaltet. Die Modellierung der Körper wie die der Gewänder ist sehr variantenreich.

Im Mittelalter herrschte ein anderes Weltbild als wir es heute in Europa haben. Das Leben auf Erden wurde nur als Zwischenstation betrachtet. Es galt, möglichst christlich und fromm zu leben, um das ewige Leben nach dem Tod zu erwerben. Diesen Gedanken war nicht nur alles Handeln unterstellt, sondern es spiegelt sich bis heute in der Kunst jener Zeit. So ist das christliche Themenrepertoire vorherrschend.

Bildwelten – Weltbilder
Romanische Wandmalerei Westfalens in neuem Licht
Eine Wanderausstellung der LWL-Denkmalpflege, Landschafts und Baukultur in Westfalen
in Zusammenarbeit mit dem LWL-Museumsamt für Westfalen
Museum Forum der Völker, Melsterstraße 15 in 59457 Werl
3. September bis zum 29. Oktober
Öffnungszeiten: dienstags – freitags 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr,
samstags und sonntags 14 bis 17 Uhr

Die weiteren Stationen:
Südsauerlandmuseum in Attendorn, 5. November bis 7. Januar 2018
Schieferbergbau- und Heimatmuseum, 21. Januar 2018 bis 11. März 2018
in Schmallenberg-Holthausen
Museum Haus Kupferhammer in Warstein, 18. März 2018 bis 13. Mai 2018
Stadtmuseum Paderborn, 20. Mai 2018 bis 15. Juli 2018

Pressekontakt: Markus Fischer, Telefon: 0251 591-235, presse@lwl.org