Werler Gespräche

Eine Veranstaltungsreihe der VHS und des Museums Forum der Völker

Werler Gespräche:
Seit 1989 gibt es die Werler Gespräche, die von der VHS und dem Museum Forum der Völker in enger Zusammenarbeit und Abstimmung angeboten und durchgeführt werden.

Mit den hier genannten Veranstaltungen sind es jetzt schon 142 Gespräche, in denen unsere Gäste zu den verschiedensten Themenkreisen Stellung bezogen und mit Interessenten diskutiert haben. Über 16300 Besucherinnen und Besucher besuchten diese Gesprächsreihe.

Gäste in der letzten Zeit waren Christian Führer, Armin Laschet, Monika Hauser, Hans Leyendecker, Fritz Pleitgen, Rupert Neudeck, Marcel Pott, Peter Hertel, Fadumo Korn, Joachim Gauck, Henning Scherf u.a.

Achtung:
Wir bieten Ihnen einen Vorverkauf für die „Werler Gespräche” an. Sie können Karten im Museum Forum der Völker, in der VHS und in der Buchhandlung an der Basilika bis 12:00 Uhr des Veranstaltungstages erwerben. Ab 19:00 Uhr hat die Abendkasse geöffnet. Vorbestellte Karten gehen um 19:15 Uhr in den Abendkassenverkauf zurück.

Peter Hertel

Leitkultur und Christenschwund

Die Zukunft der Religion in der deutschen Republik

Ein Gespenst geht durch die Republik: der Islam werde, wenn es so weitergeht, das Christentum und damit die „Christlich-Jüdische Leitkultur“ ablösen. Doch in Wirklichkeit sind, unabhängig von einem möglichen Erstarken des Islams, Entwicklungen im Gange, die den Einfluss und die Bedeutung des Christentums schwinden lassen. Salopp gesagt wird nicht eine „fremdländische“ Religion den Grabgesang des „christlichen Abendlandes“ singen, sondern Kirchen und Christentum haben massiv an Zuspruch verloren. Kirchenaustritte und vor allem weniger Taufen führen zu Mitgliederschwund, Kirchenaustritte tun ein Übriges.

Wenn in 20 Jahren weit weniger Menschen Kirchensteuern zahlen als heute, wird der gesellschaftliche Einfluss der Kirchen gesunken sein. Und gleichzeitig wächst das Feld neuer Religionen. Es gibt ein neues Interesse am Religiösen, wie diffus auch immer gefasst, an Mythen und Mysterien, an vorwissenschaftlichem Nachdenken über Götter und Gräber, Himmel und Hölle, Moralbegründung und Lebenssinn. Kurzum: eine neue Spiritualität, die ihr Bedürfnis, die durch Naturwissenschaft und Technik entzauberte Welt wieder als höheres Geheimnis, als Zeichensprache des Unsichtbaren zu lesen, in verschiedenen Weltreligionen oder in esoterischer Ganzheitspsychologie befriedigt.

Diese folgenschwere Entwicklung belegt der Referent mit Daten und Fakten. Er sucht die zukünftige Stellung und Bedeutung der Religion in der deutschen Republik zu erkunden. Und er überlegt, welchen Beitrag diejenigen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, denen die Religion wichtig ist, in der neuen Herausforderung – mit Blick auf die Zukunft – erbringen können.

Peter Hertel war seit 1963 innenpolitischer Zeitungsredakteur und danach 22 Jahre lang Redakteur für „Religion und Gesellschaft“ beim Norddeutschen Rundfunk. Seit 1996 lebt er als Freier Journalist und Buchautor.

Die Veranstaltung wird in Zusammenarbeit mit der Leserinitiative Publik e.V. durchgeführt.

Donnerstag, 26.01.2012, 19.30 Uhr, Museum Forum der Völker, Melsterstr. 15, Werl, € 6,00

Marcel Pott

Aufstand der Araber – Der steinige Weg zur islamischen Demokratie

Ist der „arabische Frühling“ schon vorbei? Werden in Tunesien, Ägypten oder Libyen nur die Machteliten ausgetauscht? Oder kann eine islamische Demokratie erkämpft werden? Und was bedeutet dieses geschichtliche Novum für den Westen? Marcel Pott schildert einen Aufstand, der das Zeug hat, die Welt zu verändern.

Gewaltige Protestwellen quer durch die arabische Welt haben Diktatoren in Tunesien und Ägypten hinweggefegt und zahlreiche feudale Herrschaftssysteme bis in die Grundfesten erschüttert.

Der Sieg der libyschen Revolution und die todesmutigen Protestmärsche gegen das Assad-Regime in Syrien zeigen, dass die Volksaufstände und die Demonstrationen weiterhin eine Quelle der Hoffnung für alle Araber vom Atlantik bis zum Indischen Ozean sind. Doch wird die als „Revolution der Facebook-Generation“ gestartete Massenbewegung der arabischen Welt tatsächlich eine bessere Zukunft bescheren? Das verlangt grundlegende Umwälzungen in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft. Es ist ein steiniger Weg, der viele Opfer kostet. Ökonomisch muss sich vieles ändern, wenn die jungen Reformer Arbeit finden sollen. Schon proben die noch herrschenden Eliten die „Konterrevolution“. Sie klammern sich mit Zähnen und Klauen an ihre Fleischtöpfe und verschärfen so die Probleme in der postrevolutionären Übergangsphase. Was macht der Westen angesichts der Umwälzungen in der Region? Hat er eine Strategie, wenn islamischem Demokraten in Ägypten, Tunesien, Libyen oder Syrien an die Macht gewählt werden?

Donnerstag, 23.02.2012, 19.30 Uhr, Museum Forum der Völker, Werl, Melsterstr. 15, € 10,00

Friedrich Schorlemmer und Hans-Dieter Schütt

„Klar sehen und doch hoffen – Erinnerungen und Perspektiven”

Friedrich Schorlemmer, der bekannte Pfarrer aus Wittenberg, berichtet über sein widerspenstiges Leben in der DDR, aber auch über das, was ihm in den letzten zwanzig Jahren seit der Deutschen Einheit begegnet ist, wofür er sich in der Demokratie stark gemacht hat. Die Erinnerung an Vergangenes verknüpft er mit den Herausforderungen, mit denen wir in der Gegenwart zu tun haben. Wenn es also um „Schwerter zu Pflugscharen“ (1983) geht, dann geht es heute auch um die Bundeswehr als Eingreifarmee und die Bundesrepublik als drittgrößten Waffenexporteur. Wenn es um die Umweltprobleme in der DDR geht, dann geht es um die Klimaherausforderung und die Nutzung von Atomenergie heute. Wenn es um bürgerliche Menschenrechte geht, so geht es heute – angesichts von der Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich – um die sozialen Menschenrechte. Wenn es um den Kampf gegen Mauern und Feindbilder ging, so geht es heute um die neue Mauern und Vorurteile von Menschen und Gruppen in unserer freien Gesellschaft – ganz zu schweigen von einer heute zu oft schweigenden Kirche.

Friedrich Schorlemmer, geboren 1944 in Wittenberge/Elbe, aufgewachsen in der Altmark. Studium der Theologie, 1978 – 1992 Dozent am Evangelischen Predigerseminar und Prediger an der Schlosskirche in Wittenberg, seit 1992 Studienleiter an der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt in der Lutherstadt Wittenberg. 1989 erhielt er für sein Wirken die Carl-von-Ossietzky-Medaille der Internationalen Liga für Menschenrechte und 1993 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. 2009 wurde Friedrich Schorlemmer mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.
Hans-Dieter Schütt, geboren 1948 in Ohrdruf/Thüringen, war von 1984 bis 1989 Chefredakteur der FDJ-Zeitung »Junge Welt« und ist seit 1992 Feuilletonredakteur der Tageszeitung »Neues Deutschland«. Er veröffentlichte zahlreiche Interviewbücher (u. a. Klaus Löwitsch, Robert Menasse, Friedrich Schorlemmer) und schrieb die Biografie »Regine Hildebrandt: Ich seh doch, was hier los ist«.

Donnerstag, 22.03.2012, 19.30 Uhr, Museum Forum der Völker, Melsterstr. 15, Werl, € 10,00

Jörg Armbruster

Der arabische Frühling.
Als die islamische Jugend begann, die Welt zu verändern

Wohin entwickeln sich die arabischen Staaten?
Im Frühjahr 2011 hat die islamische Jugend begonnen, die politische Ordnung vieler arabischer Länder auf den Kopf zu stellen. Tunesien, Ägypten, Libyen, Jemen, Syrien, Bahrain – die Probleme in diesen Ländern ähneln sich, es herrschen politische Unterdrückung, Korruption, Polizeifolter, Arbeits- und Perspektivlosigkeit der sehr jungen Bevölkerung. ARD-Korrespondent Jörg Armbruster zeigt, wie sich diese jungen Menschen nun als Hoffnungsträger für eine bessere Zukunft erweisen.
Jörg Armbruster berichtet für das ARD-Fernsehen schon seit vielen Jahren aus dem Nahen Osten; dennoch war auch er überrascht von der Wucht des Aufstandes, den er in Ägypten und Libyen hautnah miterleben konnte und der die alte Ordnung hinweggefegt hat. Er sprach mit Organisatoren des Aufstandes, mit ehemaligen politischen Gefangenen und mit Politikern, die vielleicht die Zukunft der Region mitbestimmen werden, und er beantwortet folgende Fragen: Wie wird es nun weitergehen? Wie verhalten sich die alten politischen Kräfte, das Militär, die Reichen, die alten Politiker, die alle viel zu verlieren haben? Kommt nach dem bunten Frühling ein heißer Sommer? Kann der demokratische Aufbruch noch scheitern?
Jörg Armbruster, ARD-Auslandskorrespondent für den Nahen und Mittleren Osten und früherer Moderator des ARD-Weltspiegels, wurde Zeuge der Zeitgeschichte, als der Rücktritt des ägyptischen Präsidenten Mubarak am 11. Februar während einer Live-Schaltung der Tagesschau zu Armbruster bekannt wurde. Er kommentierte die plötzlich aufkommenden Jubelschreie vom Balkon, während die Kamera in die Menge schwenkte.

Donnerstag, 10.05.2011, 19.30 Uhr, Museum Forum der Völker, Melsterstr. 15, Werl, € 10,00